Fusion zur Airbus Segelfluggemeinschaft Bremen e.V.

Entwurzelte Lemwerder Flieger finden in Tarmstedt eine neue Heimat - Vereine verschmelzen

Was gibt es Schlimmeres für einen Sportverein, als dauerhaft seine Sportstätte zu verlieren?  Solche Vereine stehen in kürzester Zeit vor dem Aus:  Das Vereinseigentum kann nicht  genutzt werden, Trainingsmöglichkeiten fehlen, dazu Frustration, Enttäuschung und Verbitterung bei den Betroffenen. Selbst Mitglieder, die zunächst noch Geduld aufbringen, wandern  irgendwann ab oder geben den geliebten Sport ganz auf. Soweit wollten wir - die Segelfliegerinnen und Segelflieger der Airbus Weser-Fluggemeinschaft - es nicht kommen lassen.  Über fünfzig Jahre waren wir als aus einer Betriebssportgruppe hervorgegangener Verein auf dem ehemaligen Werkflughafen Lemwerder zuhause.  Von hier aus flogen unsere Mitglieder nicht nur an jedem Wochenende, sondern hatten in Lemwerder auch eine Halle mit Werkstatt, Club-und Schulungsraum. Nachdem der Standort Lemwerder für Umbauten und Wartung von Großflugzeugen aufgegeben wurde, übernahm ein Hersteller von Rotorblättern für Windkraftanlagen  das Gelände. Der wollte die weitere Mitbenutzung der ausreichend großen Flächen durch die Segelflieger aber nicht weiter dulden und kündigte die Nutzungsvereinbarung. Für uns begann eine fünfjährige Odyssee, die uns als Gäste auf verschiedene andere Segelflugplätze führte.
Schon  über viele Jahre  hatten wir enge und vielfältige  Kontakte zu unseren Sportsfreunden in Tarmstedt. So wurde die Idee geboren, einen einjährigen Gastaufenthalt in Tarmstedt als Probe für eine mögliche Fusion beider Vereine zu nutzen.  Das vergangene Jahr mit einem ersten gemeinsamen Flugbetrieb in Tarmstedt zeigte deutlich:  die beiden Vereine treffen sich „auf Augenhöhe“, harmonieren sehr gut miteinander und ergänzen sich in geradezu idealer Weise.  Das allein genügt aber noch nicht. Eine Fusion – oder wie es korrekt heißen muss: eine Verschmelzung - muss auch formal auf sicheren Füßen stehen.  Dazu hatten paritätisch besetzte Arbeitsgruppen die Regelwerke beider Vereine durchforstet, überarbeitet, ersetzt oder ergänzt und in eine neue gemeinsame Form gegossen, die für die Mitglieder beider Vereine annehmbar ist. Seinen Abschluss fand diese aufwändige Arbeit Anfang Juni 2017 in einer Versammlung der Mitglieder beider Vereine, auf der die Verschmelzung mit klarer Mehrheit beschlossen wurde. Aus der Segelfluggruppe Bremen und der Airbus Weser-Fluggemeinschaft ist der  verschmolzene  Verein Airbus Segelfluggemeinschaft  Bremen e.V. mit einer gemeinsamen Heimat auf dem Flugplatz Tarmstedt-Westertimke geworden.  Mit insgesamt  etwa 200  Mitgliedern sind wir jetzt einer der größten Segelflugvereine Norddeutschlands.

„Tarmstedt ist ein ideales Fluggelände“, sagt der neu hinzugekommene Lars Hagemann „schön gelegen und die Umgebung hat uns schon mit der für uns Segelflieger wichtigen Thermik überzeugt, die hier besser ist als auf dem feuchten Marschboden an der Weser bei Lemwerder.“  Mitglieder mit Streckenflugambitionen würden die Nähe Tarmstedts zur Lüneburger Heide schätzen, ergänzt Christoph Muschner.  Der Sandboden dort böte bei Sonneneinstrahlung gute Thermik und damit die Chance zu langen und weiten  Flügen. Die neu hinzugekommenen Flieger wissen aber auch das Entgegenkommen des Tarmstedter Vereins zu schätzen.  „Wir sind den Tarmstedtern  sehr dankbar, so offen und herzlich aufgenommen worden zu sein, sagt Ralf-Michael Hubert. „Eine derartige Vergrößerung des Vereins verlangt den bisherigen Mitgliedern Umgewöhnungen und vielleicht sogar die eine oder andere Einschränkung ab. Trotzdem hat man uns wie gute, alte Freunde empfangen, nicht wie Bittsteller. Eine solche Haltung ist nicht selbstverständlich und beweist Größe von allen, die uns den Fortbestand in dem neuen, großen Verein gesichert haben.“  Rolf Struckmeyer, 1. Vorsitzender der Tarmstedter Segelflieger,  führt einen weiteren Aspekt an: „Die demographische Entwicklung zeigt, dass es für alle Sportvereine in Zukunft schwieriger werden wird, ausreichend Nachwuchs zu gewinnen. Da ist es nur gut, die Ressourcen zu bündeln und sich gemeinsam als große Gruppe aufzustellen, statt in zersplitterten Grüppchen ums Überleben zu kämpfen.  Wir sehen uns daher nach dem Zusammenschluss mit den ehemaligen Lemwerder  Fliegern  als für die Zukunft sehr gut aufgestellt.“
Auch die  Tarmstedter Segelflieger kamen übrigens 1959 in die Gemeinde, weil  sie vom bisherigen Gelände weichen mussten:  bis Ende der fünfziger Jahre flog man nämlich noch auf dem Bremer Flughafen, bis der zunehmende Luftverkehr dort keinen Segelflug mehr zuließ. In der Folge hatte sich eine größere Segelfluggruppe aufgespalten, deren einer Teil nach Tarmstedt kam und hier in Eigenleistung einen der schönsten Segelflugplätze im weiten Umland Bremens aufbaute. Bundesweit ist Tarmstedt seit langem ein Synonym für erfolgreichen Segelflug im Weser-Elbe Gebiet und ist  
als Austragungsort für Wettbewerbe und Meisterschaften beliebt und geschätzt. Der verschmolzene, jetzt mitgliederstärkere Verein begrüßt Gäste zum alljährlichen Tag der Offenen Tür in Tarmstedt am 27. August 2017 in der Zeit von 10:30 bis 18 Uhr.

Die Internetseiten des fusionierten Vereins finden sich hier:

http://www.sfg-bremen.de/